Erinnern für die Zukunft - der 9. November - Mahnung, Freude, Trauer

Astrid Rothe-Beinlich: die demokratischen Abwehrkräfte stärken

  

Der 9. November ist für uns ein Jahrestag der Freude, aber ebenso der mahnenden Trauer. Dieses Datum prägt wie kaum ein anderes unsere eigene Geschichte und steht für Verantwortung für die Vergangenheit ebenso wie für die Zukunft.

1938 haben wir Deutschen mitgemacht und zugesehen, als die Nazis gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erbarmungslosen Terror verübten und Synagogen, Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstörten.

Die Novemberpogrome mündeten in der totalen Entrechtung der Juden und im europäischen Holocaust. Und daran gilt es immer wieder zu erinnern und zu mahnen. Denn daraus erwächst eine historische Verantwortung. Auch deshalb streiten wir seit Jahren auch in Thüringen für ein Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus - für die Stärkung der Demokratie.

Aber der 9. November des Jahres 1989, der Tag an dem die Mauer faktisch einstürzte und sich die tödliche Grenze öffnete, nachdem Tausende Menschen in der DDR friedlich mit Kerzen auf die Straße gegangen waren, ist für uns zugleich ein besonderes historisches Glück.

Die BürgerrechtlerInnen und die immer größer werdende Oppositionsbewegung in der gesamten DDR haben den entscheidenden Beitrag zur friedlichen Revolution und zum Untergang der DDR-Diktatur geleistet. Endlich hielten Menschenrechte, freie Wahlen und eine demokratische Verfassung Einzug.

Der 9. November ist deshalb für uns ein Tag der doppelten Erinnerung:

Menschenwürde, Demokratie und Bürgerrechte müssen immer wieder gesichert, erstritten und aktiv gelebt werden. Tag für Tag gilt es, die demokratischen Abwehrkräfte zu stärken.

Und dies kann nur gelingen, wenn man sich der Vergangenheit erinnert und der Verantwortung stellt - um zukunftsfähig zu sein.

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