Rede zum Antrag der FDP-Fraktion zum Thema: "Bekenntnis des Freistaats Thüringen zur Lutherdekade und zum Reformationsjubiläum"

8. Plenarsitzung, 27.01.2010

Aktuelle Stunde d) auf Antrag der Fraktion der FDP zum Thema: "Bekenntnis des Freistaats Thüringen zur Lutherdekade und zum Reformationsjubiläum" Unterrichtung durch die Präsidentin des Landtags- Drucksache 5/358 -

Abgeordnete Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Meine sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren Abgeordneten. Lieber Hans-Jürgen Döring, die Rede hat eben mit den Worten geendet, mit denen ich beginnen wollte. Ich will sie noch mal benennen, weil sie, glaube ich, sehr deutlich machen, warum es heute hier eine Aktuelle Stunde gibt: "Wer etwas will anfangen, der mag es beizeiten tun." Und die Dekade läuft bereits. Sie läuft offenkundig doch so geräuschlos - ich meine, wir freuen uns über geräuschlose Motoren, insbesondere wenn sie grün sind, aber sie müssen eben laufen -, sie läuft leider so geräuschlos, dass ich den Verdacht habe, sie läuft nicht wirklich, sondern - es ist eben schon gesagt worden - sie stolpert vielleicht. Sie ist noch ausgesprochen stockend und ich hoffe, dass sie endlich in Gang kommt. Denn auch mir war es durchaus nicht ganz einfach, etwas von der Landesregierung tatsächlich zu finden, was über diese drei Zeilen im Koalitionsvertrag hinausweist. Es gibt etwas, nämlich eine Pressemitteilung von Christoph Matschie aus dem zuständigen Ministerium, in der es heißt, dass für kulturelle Projekte im Rahmen der Lutherdekade zusätzliche Mittel, die auch in einem extra Titel im Haushalt zu finden sind, angekündigt oder angedacht sind, dass auch Mittel für Maßnahmen zur Denkmalpflege zwecks Herrichtung von authentischen Reformationsstätten aufgestockt werden sollen. Ich hoffe, jetzt gleich in der Antwort oder in den Worten des Ministers zu hören, was denn nun genau geplant ist, was tatsächlich ansteht, weil ich denke, es ist nicht nur für die Thüringerinnen und Thüringer, aber natürlich auch für diese interessant, endlich zu erfahren, wie der Beitrag Thüringens aussehen soll, wenn wir diese Lutherdekade tatsächlich auch für Thüringen nutzen wollen. Denn da hat uns Sachsen-Anhalt tatsächlich etwas vorgemacht. Wir haben sicherlich alle schon mal über den Spruch des früher Aufstehens in Sachsen-Anhalt gelächelt. An der Stelle sind sie früher aufgestanden. Das müssen wir ihnen lassen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend und insofern, denke ich, auch wir sollten endlich aufstehen und sollten uns tatsächlich dieses Jubiläum vornehmen. Denn es birgt enorme Chancen auch und gerade für uns, sicherlich auch für den Protestantismus, aber auch für den Geist, den Luther hier gelebt hat, mit dem Luther hier gewirkt hat, der vieles aufgebrochen hat, der auch oft unbequem gewesen ist, der vieles angestoßen hat und der für Thüringen maßgeblich war, auch und gerade für unsere Entwicklung, nicht zuletzt in den letzten 20 Jahren. Die Eisenacher Wartburg, das konnten wir nachlesen, soll einer der zentralen Ausstellungsorte anlässlich von 500 Jahren Reformation werden. Das ist auch gut so. Aber es gibt noch wesentlich mehr Orte. Sehen Sie es mir nach, ich komme aus Erfurt, ich habe durchaus Sorgen; ich habe Sorgen, dass die Stätten, die wir gerade in Erfurt haben, nicht ausreichend Würdigung und Unterstützung erfahren, wenn es darum geht, Luthers Erbe, Luthers Gedanken, die heute noch genauso lebendig sind an ganz vielen Stellen, die auch heute noch vieles bewegen können, auch bekannt zu machen, zu unterstützen und damit tatsächlich die vielen, vielen Gäste, die vielen Protestantinnen und Protestanten, die es weltweit in Skandinavien - davon war eben schon die Rede - genauso wie in Kanada gibt, auch auf Thüringen aufmerksam zu machen, sie einzuladen hierherzukommen und mit ihnen gemeinsam die Spuren zu gehen, die Luther hier gegangen ist. Ich glaube, viele beneiden uns um die historischen Voraussetzungen, die wir eigentlich hier haben. Es gibt auch viele Protestantinnen und Protestanten, auch etliche die sich nicht einer Religion zugehörig fühlen, die diese Zeit gern nutzen wollen, um darüber ins Gespräch zu kommen, um sich auszutauschen, um sich selbst zu informieren. Deswegen bin ich sehr gespannt, wie Ihre Ausführungen gleich aussehen werden, auch und gerade natürlich mit Blick nach außen, nämlich wie wir Gäste gewinnen, aber auch mit Blick nach innen, wie wir unsere eigenen Menschen, die hier leben, wie wir Kinder, Jugendliche, Alte und Junge von diesem Geist beseelt machen, der Reformation möglich gemacht hat, der bewegt hat in Thüringen. Ich denke, diese Chance dürfen wir nicht verstreichen lassen. Danke schön.

(Beifall SPD)

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