Inklusion statt Aussonderung – Wege zu einer Schule für alle?

04.04.2012: Unter diesem Motto stand die Podiumsdiskussion der Thüringer Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit der Bildungspolitischen Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich, Prof. Dr. Armin Sohns, dem Landeselternsprecher der Thüringer Förderschulen Stefan Nüßle. Moderiert wurde die Veranstaltung von der grünen Landratskandidatin des Ilm-Kreises - Madeleine Henfling.

  

Im Konferenzraum des Ilmenauer Hotels Zur Tanne versammelten sich am Abend des 03.04.2012 rund 40 interessierte Zuhörerinnen, um die Podiumsdiskussion zum Thema „Inklusion statt Aussonderung – Wege zu einer Schule für Alle“ zu verfolgen.

Vor dem Hintergrund der UN Konventionen stand die damit verknüpfte Aufforderung im Raum die sogenannten Sonderschulen auch in Deutschland abzuschaffen und eine inklusive Schule für alle Kinder zu installieren. Soweit die Theorie. Doch die Praxis sieht vielerorts in Deutschland und Thüringen anders aus. Dies bewiesen auch die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum.

Astrid Rothe-Beinlich, die Bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion in Thüringen äußerte sich eingangs folgendermaßen: „Inklusion kann nur gemeinsam gelingen, aber nicht mit der Brechstange, das kann nur scheitern. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Doch die Realität im Bildungssektor sieht anders aus. Sogenannte Förderzentren werden geschlossen, auch im Ilm-Kreis. Das Thüringer Schulgesetz fordert die individuelle Förderung aller Kinder. LehrerInnen und SonderpädagogInnen werden gebraucht, die Bedarfe aber nicht gedeckt. Alle Kinder mitnehmen, das muss das Ziel sein!“

Prof. Dr. Armin Sohns kann auf einen reichhaltigen praktischen Erfahrungsschatz in der Förderbegleitung mit „entwicklungsgestörten“ Kindern schöpfen und betonte die notwendige Verknüpfung von vorschulischer und schulischer Pädagogik. Er wies weiterhin auf die wichtige Differenzierung der Begriffe Integration und Inklusion hin. Integration bedeute zum einen das Schaffen von Zuschreibungen, sprich von „normalen“ und „unnormalen“ Kindern, egal ob ein Migrationshintergrund oder eine Lernschwäche bestehe. Inklusion aber differenziert eben nicht, eine inklusive Schule bedeutet, dass alle Kinder „normal“ sind. Kategorien wie „behindert“ sind somit nicht mehr hinnehmbar und müssen abgeschafft werden.

Der Landeselternsprecher Herr Nüßle sieht derzeit keine Grundlagen an Thüringer Schulen, es fehlt ein Gesamtkonzept sowie der akute Mangel nicht nur an SonderpädagogInnen.

Astrid Rothe-Beinlich gab zu bedenken: „Der Bildungsausschuss strebt ein gemeinsames Konzept an, das kann aber nur gemeinsam gelingen und zwar fraktionsübergreifend. Wir haben nun ein Gutachten von Herrn Prof. Dr. Preuß-Lausiz vorliegen, mit dessen Hilfe wir ein Gesamtkonzept erarbeiten wollen. Das Motto muss lauten – es ist normal verschieden zu sein!“

„Wenn die Voraussetzungen stimmen, sprich die notwendigen SonderpädagogInnen fest in Lehrerkollektiven arbeiten, ist eine höhere Integrationsrate möglich. Schwerpunktschulen wird es sicher immer geben.“ so die grüne bildungspolitische Sprecherin weiter.

Herr Prof. Dr. Sohns betonte außerdem, dass die Eltern selbstbewusster in den Schulen auftreten müssen, dann können sie viel bewegen und ganz wichtig die LehrerInnen müssen eine inklusive Schule wollen. Die Wortmeldungen aus dem Publikum erhellten die Runde mit Beispielen aus dem eigenen Alltag – positive sowie leider auch negative.

„Wir müssen anfangen Unterricht neu zu definieren! Motivation ist das A und O, hierzu gehört auch ein Umdenken in der bis dato zu theorielastigen Lehrerinnenausbildung. Ein Gesamtkonzept muss auf den Tisch von frühkindlicher bis zur Erwachsenenbildung. Die Schule nicht nur als Ort des Lernens sonder auch als Lebenswelt muss in das Bewusstsein unserer Gesellschaft rücken. Eine inklusive Schule setzt eine inklusive Gesellschaft voraus!“ so Rothe-Beinlich abschließend.


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