26. Rundschreiben der BAG Christinnen und Christen - Bericht über den Kirchtag 2007 in Köln

11.06.2007: von Friedrich Battenberg

  

Liebe Freundinnen und Freunde,

mein zweites diesjähriges Rundschreiben - vier solcher Berichte erhaltet Ihr pro Jahr - steht ganz im Zeichen des gerade beendeten 31. Deutschen Evangelischen Kir-chentags in Köln, der zwischen dem 6. bis zum 10. Juni auf dem Köln-Deutzer Mes-segelände und an zahlreichen Orten in der Kölner Innenstadt stattfand. Mehr als eine Million BesucherInnen wurden gezählt, und oft hatte man bei der Fahrt mit öffentli-chen Verkehrsmitteln, in Restaurants und Cafés, auf Marktplätzen und bei kulturellen Ereignissen den Eindruck, dass die ganze Stadt sich in eine große Gemeinschaft verwandelt hatte, die sich dem Austausch von Glaubenserfahrungen verschrieben hatte. Ganz überwiegend wurden - nicht nur im Hinblick auf den umstrittenen G-8-Gipfel in Heiligendamm - Fragen des Klimawandels und der Folgen der Globalisie-rung diskutiert; die eindrücklichen Worte des Friedensnobelpreisträgers und Bischofs Desmond Tutu werden allen, die am Donnerstag Abend an der G-8 Demonstration auf dem Roncalli-Platz vor dem Dom teilgenommen hatten, in Erinnerung bleiben. Aber auch zahlreiche PolitikerInnen der GRÜNEN haben dazu beigetragen, dass der Kirchentag zu einem Ereignis bürgerschaftlich und sozial engagierter kritischer ChristInnen wurde, die sich mit der hochnäsigen Politik der meisten Industrieländer gegenüber den ärmeren Regionen dieser Welt nicht abfinden wollten.

Wie ich schon in meinen letzten Rundschreiben berichtet hatte, hatten wir als BAG in Kooperation mit dem Bundesvorstand (namentlich mit Claudia Roth und Astrid Rothe-Beinlich, daneben Martin Bär, Martin Wilk und Robert Heinrich) unsere Prä-senz auf dem Kirchentag (DEKT) langfristig vorbereitet. Zu Anfang des Jahres hatte uns Dietmar Strehl als Schatzmeister der Partei aus dem Aktionshaushalt der BAGen einen Betrag von 3.000,- € zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hatten wir ein großflächiges Transparent zum G-8-Gipfel und zahlreiche weitere Werbemittel der Partei (Aufkleber, Flyer, Buttons, Luftballons und andere "give aways" etc.) erhalten, um unseren Stand angemessen und seriös nach außen präsentieren zu können. Vor allem aber hatte der Bundesvorstand den Druck eines Folders in einer Auflage von 1.500 Stück übernommen, mit dem wir auf inhaltliche Züge unserer Arbeit aufmerk-sam machen konnten. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich dem Bundesvorstand dafür danken, dass er unsere Kampagne so großzügig unterstützt hat. Ein Nebenef-fekt dieser Unterstützung war, dass viele Interessenten an unserem Stand durch Mit-nahme von entsprechenden Formularen bereit waren, Mitglied zu werden - vor al-lem, nachdem sie feststellen konnten, dass christliches Engagement am besten und nachhaltigsten innerhalb der Partei der GRÜNEN geleistet werden kann.

Die Federführung für die Vorbereitung des Kirchentags lag bei der st. Sprecherin der BAG, Ursula Radwan, die nach dem Ausscheiden von Henning Lübbecke mit hohem zeitlichen Einsatz die Arbeit koordinierte und im Übrigen des Stand mit rei-chem Blumenschmuck ausstattete.. Soweit die Erstellung von Papieren und die Ab-wicklung technischer Prozesse gefragt waren, war wieder der Einsatz von Lisa Pott-hoff gefragt, ebenfalls stv. Sprecherin. Für die Grüne Jugend, die sich am Stand beteiligt, war Josefine Paul zuständig, während der Kontakt zum KV Köln von Anna Schönhütte und Dr. Diana Siebert hergestellt wurde. Dietmar Meckel aus Berlin orga-nisierte nicht nur den Transport der Materialien, sondern auch die Verköstigung der Teilnehmenden sowie den Auf- und Abbau des Standes. Daneben gab es eine große Anzahl - ca. 15 - ehrenamtlicher HelferInnen, die stundenweise Standdienste über-nahmen und unsere Ideen offensiv in das Publikum hineintrugen. Selbst einzelne Gäste, die mit unserer BAG-Arbeit vertraut waren, halfen immer wieder aus. Allein sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Allein das pausenlose Diskutieren und das zu-meist unübersehbare Gedränge an unserem Stand haben weitere Interessenten an-gelockt und dazu beigetragen, dass dieser zu einem der attraktivsten auf dem "Markt der Möglichkeiten" wurde. Dass unser Stand diesmal nicht unter den "Parteiständen" platziert wurde, sondern im Rahmen einer bunten Fülle von Ständen zum Thema Familie, Homosexualität und Jugend - zumal an einem Durchgangsweg zwischen zwei Rolltreppen - stellte sich als ausgesprochener Vorteil heraus.

Die logistischen und organisatorischen Fragen wurden im Rahmen eines Vorbe-reitungstreffens am 2. Juni in der Geschäftsstelle des KV Köln geklärt. Manche ehr-geizigen Ideen konnten zwar nicht umgesetzt und Anderes musste improvisiert wer-den. Die in einem Protokoll festgehaltene umfängliche Agenda wurde jedoch weitge-hend umgesetzt. Die Schwierigkeit bestand darin, dass nur von Seiten der Tagungs-leitung für Auf- und Abbau nur begrenzte Zeitfenster und Anlieferungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt wurden, und dass sehr strenge Auflagen zur Ausstattung des Standes bestanden. Insgesamt aber konnte ein Stand präsentiert werden, der nicht nur Professionalität nach außen vermittelte, sondern deutlich auch als Stand grüner Provenienz erkennbar war. Die verfügbaren 32 Quadratmeter wurden je zur Hälfte von der BAG und der Grünen Jugend gestaltet und boten genügend Raum für Dis-kussionsgruppen und Einzelgespräche.

Attraktiv wurde der Stand für das Publikum auch dadurch, dass - trotz der parallelen G-8-Aktionen in Rostock - fast ständig grüne PolitikerInnen anwesend waren und zur Diskussion bereit standen. Beteiligt waren etwa Angelika Beer, Daniel Cohn-Bendit, Katrin Göring-Eckhardt, Ulrike Höfken, Kerstin Müller, Claudia Roth, Astrid Rothe-Beinlich, Werner Schulz, Malte Spitz, Antje Vollmer, Wolfgang Wieland und Josef Winkler, um hier einen Teil der "Bundesprominenz" zu benennen. Ungünstig war, dass der genaue Zeitpunkt ihrer Anwesenheit nicht immer bekannt war, so dass der Besuch bisweilen nur kurzfristig angekündigt werden konnte.

Neben der am Stand von der Grünen Jugend und dem KV Köln organisierten Diskus-sion um das Thema "Bedarfsorientierte Grundsicherung - Bedingungsloses Grund-einkommen" war ein weiterer Höhepunkt unserer Aktivitäten die auf dem "Marktplatz" von uns am Samstag (9. 6.) organisierte Podiumsdiskussion zum Thema "Familie vom Kind aus denken". Astrid Rothe-Beinlich und Uwe Gerber, moderiert von Frie-del Battenberg, hatten hier Gelegenheit, die neue Kinderpolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, wie sie uneingeschränkt auch von der BAG ChristInnen getragen wird, vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren. Ungünstig war es, dass die stete Fluktuation der vorbeigehenden und nur kurz zuhörenden KirchentagsbesucherInnen und die nur begrenzt zur Verfügung stehende Zeit eine intensivere Diskussion nicht zuließen. Dennoch wurden wir, nicht zuletzt durch eine flächendeckende Plakatie-rung des Podiums, gut wahrgenommen.

Zieht man Bilanz aus unserer Kirchentagspräsenz, so kann diese uneingeschränkt als großer Erfolg gewertet werden. Es ist uns gelungen, eine große Anzahl von Be-sucherInnen anzusprechen und für die Politik der GRÜNEN im Allgemeinen wie auch für die Arbeit der BAG ChristInnen - ebenso wie diejenige der jeweiligen Landesar-beitsgemeinschaften - zu interessieren. Noch wurde von Vielen erstaunt festgestellt, dass sie nicht wussten, dass es eine christliche Gruppierung innerhalb der GRÜNEN gibt; gleichzeitig aber war deutlich zu spüren, dass es ein hohes "grünes Potential" unter christlich orientierten BürgerInnen gibt. Es wurde durchaus wahrgenommen, dass die Identität zwischen (christlicher) Schöpfungsverantwortung und (grü-nem) Umweltbewusstsein fast von selbst aus christlicher Sicht zur Unterstützung grüner Politik führen muss.

Am Schluss sei nochmals auf die Herbsttagung der BAG ChristInnen hingewiesen. Die am 13./14. Oktober in der Landesgeschäftsstelle der GRÜNEN in Hannover stattfinden wird. Schwerpunktthemen werden "Ethik der Sterbebegleitung" und "Grundsi-cherung/Grundeinkommen" sein. Zur Vorbereitung der Tagung wird sich der Spre-cherInnenkreis noch einmal treffen.

Mit herzlichen Grüßen - auch im Namen des SprecherInnenkreises gez. Euer Friedel Battenberg

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