Männer - Frauen - Gender

10.02.2007: Auf der Regionalkonferenz der Baden-Württembergischen Grünen am 10. Februar 2007 in Stuttgart widmete sich dieses Forum in zwei Veranstaltungsblöcken intensiv unterschiedlichsten Fragestellungen rund um das Thema: Frauen - Männer - Gender.

Moderiert von Ulrike Maier (Sprecherin der LAG FrauenPolitik) stellten die Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen und Frauenpolitische Sprecherin der Bundespartei, Astrid Rothe-Beinlich, Robert Habeck, Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, Julia Seeliger, Mitglied des Parteirates und Oliver Hildenbrand von der Grünen Jugend ihre Positionen vor und leiteten damit eine intensive Debatte ein.

So wurde zum einen das Rollenverständnis in Partei und Gesellschaft analysiert und noch einmal die Frage diskutiert, was Familie gerade unter diesem Aspekt betrachtet bedeutet und wie sie definiert sein kann. Darüber, dass Familie gar kein Wert an sich sein kann, waren sich schnell alle einig. Als wichtig benannt und anerkannt wurde jedoch, auch die Pflege von älteren Angehörigen sowohl als Aufgabe für Söhne wie Töchter zu begreifen und den Familienbegriff der Grünen vom: `Familie ist da, wo Kinder sind` auch auf die älteren Generationen auszuweiten.

Astrid Rothe-Beinlich stellte zusammenfassend dar, wie wichtig einerseits Verantwortungsübernahme füreinander, andererseits aber auch die individuelle Absicherung einer und eines jeden Einzelnen sind, um tatsächliche Freiheit und individuelle Lebensplanung zu ermöglichen. Dabei muss die Anerkennung von Lebensrealitäten oberste Priorität haben - so ist beispielsweise für viele Kinder Realität, dass sie oftmals entweder bei Alleinerziehenden oder aber auch in sogenannten Patchworkfamilien aufwachsen und damit mehr oder auch andere Bezugspersonen haben, mit denen sie leben. Einig waren sich alle, dass beispielsweise die Privilegierung der Ehe, gestützt auch durch das Ehegattensplitting endlich abgeschafft werden muss und statt dessen vielmehr verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuungsangebote - und zwar von Anfang an - flächendeckend bereit gestellt werden müssen, um Kinder und Ausbildung oder Beruf der Eltern in Einklang bringen zu können.

Auch Väter sollen aus grüner Sicht mehr in die Verantwortung genommen werden. Problematisiert wurde zudem, dass es oftmals gerade die Männer sind, die sich nicht für Kinder entscheiden wollen, was für Frauen doppelt schwierig ist, da ihr Zeitfenster, um einen möglichen Kinderwunsch zu realisieren, begrenzt ist.

Wichtig ist gerade aus frauenpolitischer Perspektive auch die Anerkennung der freien Entscheidung, wie beispielsweise auch die, ohne Kinder oder in ganz anderen Konstellationen leben zu wollen.

Auch das Bildungssystem insgesamt wurde gerade unter geschlechterspezifischen Sichtweisen kritisch hinterfragt, da es in seiner derzeitigen Konstruktion oftmals tradierte Geschlechterrollen eher manifestiert. So wurde u.a. die Forderung nach männlichen Erziehern und Lehrern auch in der Grundschule, polytechnischen Elementen in der Schulausbildung und "feminisierterem" Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern laut.

Thema war weiterhin die Frage, wie es gelingen kann, der nach wie vor existierenden Lohnungleichheit bei gleichwertiger Arbeit zu begegnen, die Frauen in Deutschland massiv diskriminiert, hier liegen wir nach neuesten Studien europaweit auf dem letzten Platz. Der Lohnunterschied beträgt derzeit durchschnittlich 26%. Dieser Frage widmen sich in diesem Jahr ausführlich die Aktivitäten rund um den Internationalen Frauentag am 8.März. Ebenfalls eingefordert wurde erneut ein mit Blick auf Frauen in Führungspersonen, wo sie nach wie vor nur unterrepräsentiert vorkommen. Die Forderung nach grundsätzlichen Arbeitszeitverkürzungen, um Arbeit gerechter zu verteilen war ebenso Thema wie die Problematik, was als Arbeit tatsächlich anerkannt wird und wie es gelingen kann, eine Abkehr von der "Erwerbsarbeitszentrierung" zu erreichen.

Weiteres Thema war die Frage nach der eigenständigen Existenzsicherung. Kriterien, aus frauenpolitischer Sicht müssen hier - gerade für unsere grüne Positionsbestimmung - sein, dass die zu entwickelnden Modelle geschlechtergerecht sind, individuell absichern, unabhängig von möglichen PartnerInnen oder Haushaltseinkommen, die sozialen Sicherungssysteme mit denken und darauf achten, Chancengleichheit und Zugangsgerechtigkeit zu Arbeitsmarkt und gesellschaftlicher wie soziokultureller Teilhabe tatsächlich zu ermöglichen.

Noch viele weitere Aspekte wurden angesprochen, wie die weitere Notwendigkeit der Quote - auch bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - , Fragen der Motivation und Einbindung interessierter Frauen in viele Politikbereiche aber auch die Einbeziehung von Männern in unsere Diskussionen rund um Gender und was dies für uns bedeutet.

Am Ende des Tages war überdeutlich:

Die Fragestellung ist aktuell - auch und gerade auch in unserer Partei. Und wir stellen uns dieser, um eine geschlechtergerechte Welt zu erreichen und damit bei uns anzufangen!

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