Erste grüne Frauenkonferenz in Sachsen – Die Hälfte der Macht!

30.08.2010: Astrid Rothe-Beinlich wirbt für selbstbewusste Frauenpolitik und gelebten Selbstvertretungsanspruch

  

Unter dem provokanten Motto „Die Hälfte der Macht den Männern“ hatte der Landesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen am Samstag, den 28. August zur ersten grünen Landesfrauenkonferenz ins Haus Stein in Leipzig eingeladen.

Im Mittelpunkt der eintägigen Konferenz stand die Frage, wie mehr Frauen für Politik und die Übernahme politischer Ämter begeistert werden können und welche Faktoren bisher ihre Teilnahme am politischen Leben hemmen.

Nach der Begrüßung durch den Landesvorstandssprecher Volkmar Zschocke und eine Einführung durch die sächsische Bundestagsabgeordnete Monika Lazar war die Frauenpolitische Sprecherin der Bundespartei, Astrid Rothe-Beinlich, eingeladen, ein Inputreferat aus bundespolitischer Sicht zu halten. In ihrem Beitrag warb sie zunächst für einen selbstbewusst gelebten Selbstvertretungsanspruch von Frauen im Alltag wie in der Politik.

„Gerade die amtierende Bundesministerin Köhler-Schröder macht vor, wie Frauenpolitik nicht stattfindet, da sie diese ausschließlich unter Familienpolitik subsummiert“, so Astrid Rothe-Beinlich. „Grüne Frauenpolitik hingegen will allen Frauen, egal für welches Lebensmodell sie sich entscheiden, ob sie mit Kindern leben oder nicht, ein gleichberechtigtes und zugleich selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Und dafür braucht es Rahmenbedingungen, die politisch erkämpft werden müssen. Denn leider ist es nach wie vor nicht gelebte Praxis, dass Gleichstellung den Lebensalltag von Frauen begleitet. Vielmehr haben wir noch immer gravierende Lohnunterschiede. Die Forderung „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist also brandaktuell. Ein Großteil der Familienarbeit bleibt nach wie vor ausschließlich an Frauen hängen und Frauen werden nach wie vor – wie im Steuerrecht – als „abgeleitete Wesen“ definiert und haben oftmals kaum Aufstiegschancen oder Zugang zu Führungspositionen – schlicht und ergreifend weil sie Frauen sind“, gab die Grünenpolitikerin zu bedenken.

Sie hob in ihrem Beitrag zudem hervor, dass es bei der Frage, ob Frauen sich politisch engagieren nicht nur darauf ankomme, ob die Ämter familienfreundlich ausgestaltet seien. Obwohl BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit einem Frauenanteil bei den Mitgliedern von knapp 40 Prozent vorweisen könnten – in Sachsen sind rund ein Drittel der Mitglieder Frauen - müsse sich auch die Partei kritisch fragen, an welchen Stellen der eigene Einsatz für die Beteiligung und Förderung von Frauen verbessert werden könne. Hierzu gehöre neben der aktiven Einbeziehung von Frauen, nicht nur vor anstehenden Wahlen, auch die Schaffung eines Klimas, welches es auch neuen Mitgliedern schnell ermögliche, sich einzubringen. Allerdings muss auch darauf geachtet werden, gerade „Neue“ nicht zu überfordern, da dies auch abschreckend wirken kann. So dürfen Frauen beispielsweise nicht als „willkommene „LückenbüßerInnen“ empfangen werden, denen dann auch gleich die ganze Arbeit aufgebürdet wird, vielmehr müsse es darum gehen, auch nach deren Intentionen und Wünschen aber auch nach ihren Erwartungen zu fragen.

„Außerdem hat sich gezeigt, dass die konsequente Quote, auch wenn sie nicht unbedingt charmant daher kommt, dass wirksamste Mittel ist, um Frauen tatsächlich mindestens zur Hälfte zu beteiligen. Genau deshalb bin ich auch eine glühende Verfechterin derselben. Schließlich zeigt sich sogar in unserer Partei, dass spätestens dann, wenn es tatsächlich um die Macht geht, schnell doch eher ein Mann den Ministerposten und den Spitzenkandidatenplatz erhält. Zudem zeigen alle Erfahrungen – auch in der Wirtschaft – dass mixed leadership letztlich erfolgreicher macht und somit auch Männer von der Quote und der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen profitieren“, so Astrid Rothe-Beinlich weiter.

Ausgangspunkt für die Ausrichtung dieser Landesfrauenkonferenz war, dass der sächsische Landesverband im letzten Jahr eine Kandidatin als Landesvorstandssprecherin gesucht hatte. Hierfür hatten sich allerdings keine Frauen gefunden, die bereit gewesen wären, für das Amt zu kandidieren. Die erste Frauenkonferenz des Landesverbandes sollte daher dazu beitragen, mit interessierten Frauen darüber ins Gespräch zu kommen, wie der Sprecherinnenposten aber auch andere politische Gremien für Frauen attraktiver ausgestaltet werden könnte.

„Wichtig ist auch und gerade bei einem derart verantwortungsvollen Posten, dass dieser auch ein echtes Angebot dargestellt. Und hier muss sich auch die Partei entscheiden, sich dies im wahrsten Sinne des Wortes zu leisten – sprich auch zu vergüten, wenn klar ist, dass ein solcher Job nicht auf rein ehrenamtlicher Basis geleistet werden kann“, gab Astrid Rothe-Beinlich zu bedenken, die selbst 10 Jahre in unterschiedlichsten Konstellationen und teils ehren- sowie teils hauptamtlich Landessprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Nachbarland Thüringen war.

Die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung beschlossen am Ende der Konferenz die Einberufung eines Frauennetzwerkes, welches zu einer einladenden und offenen Gesprächsatmosphäre beitragen soll.

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