Grüne und Bündnis für Integration luden in Saalfeld zum Dialog und Kennenlernen

Astrid Rothe-Beinlich: Begegnung schafft Kommunikation, ermöglicht aufeinander zugehen und wirkt gegen Vorurteile Mehr als 30 Interessierte aus Saalfeld und Umgebung - mit und ohne Migrationshintergrund - waren am Abend des 29. April der Einladung von Theresia Sippach, Mitglied im Bündnis für Integration und engagierte Grüne vor Ort, gefolgt, an einer Diskussionsrunde im Evangelischen Gemeindehaus am Hohen Ufer teilzunehmen. Dort konnten sie ihre Erfahrungen und Fragen zum Thema Asylrecht und Integration vorbringen. Die Moderation des Abends hatte Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen und Mitglied im Flüchtlingsrat übernommen.

Zunächst berichtete Frau Penzold, Leiterin der Begegnungsstätte Beulwitz und Mitarbeiterin der Diakoniestiftung Weimar-Bad-Lobenstein, von ihrer Arbeit vor Ort. Sie ist zudem zuständig für Gemeinwesenarbeit in Gorndorf und Beulwitz. Frau Penzold warb darum, aufeinander zuzugehen, berichtete aber auch von vielen Vorurteilen, mit denen sie selbst in ihrer Arbeit aber auch die Betroffenen immer wieder zu kämpfen haben. Sie betonte: in Beulwitz leben 183 Menschen mit Migrationshintergrund, dies macht gerade mal 1,9% der EinwohnerInnen aus. Darunter sind besonders viele Kinder. Ihnen wollen wir eine Heimat zu geben und Integration leben. In der Begegnungsstätte sind alle herzlich Willkommen.

Auch Frau Schönfelder und Frau Schönefeld sowie Frau Katzer von der AWO berichteten von ihrer Arbeit in der Begegnungsstätte und die Beratung erwachsener Zuwanderer in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg und gaben zu bedenken, dass ausreichend soziale Unterstützungs- und Beratungsangebote fehlen.

Steffen Dittes vom Flüchtlingsrat Thüringen stellte dessen Arbeit vor und beklagte insbesondere, dass Flüchtlinge keinen Zugang zu Integrationsangeboten haben. "Ziel muss sein, die Fluchtursachen. Nicht die Flüchtlinge zu bekämpfen", stellte er klar. Der Flüchtlingsrat, der ausschließlich ehrenamtlich aktiv ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, die vor Ort Aktiven Ehrenamtlichen zu vernetzen.

In Thüringen leben derzeit knapp 4000 Flüchtlinge ohne Aufenthaltstitel, davon zwei Drittel in Gemeinschaftsunterkünften.

Schnell war man sich einig, dass Ziel sein sollte, möglichst alle Betroffenen dezentral wohnungsähnlich unterzubringen. Dies würde die Integration immens erleichtern und ist für die Kommunen sogar preiswerter. Dass die dezentrale Unterbringung durchaus möglich ist, machen Städte wie Suhl vor, die Flüchtlinge seit mehreren Jahren grundsätzlich in Wohnungen unterbringen.

Die Nachricht, dass die GU Gehlberg zum 28.Juni geschlossen wird, sorgte für Erleichterung. Diese war, ähnlich wie die GU Katzhütte, immer wieder wegen der schwierigen Bedingungen für die dort lebenden Menschen in die Kritik geraten.

Weiteres spannendes Thema war das Asylbewerberleistungsgesetz, welches zur Folge hat, dass Flüchtlingen derzeit 30% weniger Sozialleistungen erhalten, als BezieherInnen von Regelleistungen wie Hartz IV. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass diese, so auch in Ilmenau oftmals unbar - in Form von Gutscheinen - ausgereicht werden. In Ilmenau können die Gutscheine wiederum nur bei Aldi am Bahnhof bzw. bei Markkauf eingelöst werden, was mangels preiswerterer Alternativen zu weiteren Kaufkraftverlusten führt. Junge IlmenauerInnen haben nun eine Umtauschinitiative ins Leben gerufen, um den Flüchtlingen direkt zu helfen und auf die diskriminierende Praxis der unbaren Leistungsauszahlung hinzuweisen.

Viele Anwesende erklärten sich am Abend spontan bereit, diese Initiative aktiv zu unterstützen und so Zeichen zu setzen und mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen.

Ebenfalls kritisiert wurde die sogenannte Residenzpflicht, die die freie Bewegung der Betroffenen außerhalb ihres Landkreises nur mit Genehmigung ermöglicht.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben im Bundestag erneut einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes und gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen fordert.

"Deutlich wurde in der lebhaften und engagierten Diskussion zudem, dass es leider viel Unwissenheit über die Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Auch hier war man sich einig: Begegnung und aufeinander zugehen und Bildung sowie Aufklärung sind gefragt. Weiterhin wurde intensiv über Vorurteile und wie man diesen begegnen kann beraten. Ebenfalls Thema waren die Ängste mancher vor dem oder der Unbekannten, die oftmals zu Ausgrenzung führt", so Astrid Rothe-Beinlich.

Alle waren sich einig, dass diese Veranstaltung den Auftakt weiterer Runden bilden soll, die zur Vernetzung und zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

Den Abend beendete Astrid Rothe-Beinlich mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: "Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun."

Bereits im Vorfeld der Diskussion, am Nachmittag, hatten Astrid Rothe-Beinlich und Steffen Dittes vom Flüchtlingsrat die seit 2 Jahren bestehende Begegnungsstätte Beulwitz besucht. Sie trafen dort neben vielen Mädchen unterschiedlichster Herkunft, die dort ihren Spielenachmittag verbrachten, auf die Begegnungsstättenleiterin, Frau Penzold und weitere engagierte Mitarbeiterinnen von AWO und Diakonie.

"In dieser Begegnungsstätte wird Integration und zivilgesellschaftliches Engagement von Frauen und Männern unterschiedlichster Nationen tatsächlich gelebt. Hier wird gemeinsam gespielt, gekocht, gefeiert, geredet und von- und miteinander gelernt. Die Angebote werden förmlich aufgesogen und da würde gern noch viel mehr in Anspruch genommen", zeigt sich Astrid Rothe-Beinlich beeindruckt. "Der Leiterin Frau Penzold und ihren Kolleginnen ist bemerkenswertes unter schwierigen Bedingungen gelungen: Respekt und Umgang auf Augenhöhe ermöglichen Begegnung und tragen zum Abbau von Vorurteilen bei. Dafür gebührt ihnen Anerkennung und Unterstützung", so das Resümee des Besuchs vor Ort.

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