Der demografische Wandel hat ein weibliches Gesicht
13.03.2009: Astrid Rothe-Beinlich und Elisabeth Schroedter (MdEP) trafen sich am 4.3.09 mit dem Geraer Frauenbündnis
Am Mittwoch, den 4. März, trafen sich Astrid Rothe-Beinlich, Mitglied im Bundesvorstand und Frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Landessprecherin Thüringen, und Elisabeth Schroedter, Europaabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, im Stadtmuseum Gera mit dem Geraer Frauenbündnis, um dort u.a. über Lohnungleichheit und die Abwanderung von jungen Frauen aus Thüringen zu diskutieren.
"In der Europäischen Union ist Mobilität von ArbeitnehmerInnen und Arbeitnehmern willkommen. Allerdings trägt diese Phänomen erheblich dazu bei, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen ökonomisch starke Regionen auf Kosten der anderen noch hinzugewinnen. Der Osten Deutschlands ist besonders nachteilig betroffen, weil vor allem junge Menschen aus ökonomischen Gründen abwandern. Der ökonomische Transformationsprozess wird begleitet von gesellschaftlichen Prozessen, welche für die Chancengleichheit von Frauen viele Rückschritte beinhalten. Dass diese Entwicklungen die jungen Frauen und mit ihnen die Hoffnungsträgerinnen für die Bevölkerungsstabilität massiv aus der Region treiben, wurde erst bemerkt, als das Gender-Institut in Sachsen-Anhalt geschlechterspezifische Statistiken auswertete. Interessant ist aber, dass trotz dieser Untersuchungsergebnisse in Ostdeutschland keine Landesregierung auf die Idee gekommen ist, durch gezielte politische Maßnahmen und durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen die Diskriminierung von Frauen im Zugang zur Berufsausbildung und zur Beschäftigung abzubauen, um diese jungen Frauen im Land zu halten. Auch bezogen auf die soziale Sicherung der alternden Gesellschaft stellt sich die Situation für die Geschlechter sehr unterschiedlich dar. Frauen sind im Alter eher einem deutlich höheren Armutsrisiko ausgesetzt als Männer. Die Armutsdiskrepanz zwischen Frauen und Männern im Alter ist in den Ländern am höchsten, in denen die sozialen Sicherungssysteme nicht an die gesellschaftliche Wirklichkeit von Frauen und Männern in einer vom demografischen Wandel bestimmten Gesellschaft angepasst wurden und das traditionelle Rollenbild des vorigen Jahrhunderts weiterhin die Köpfe und insbesondere das Steuer-, Renten- und Lohnsystem bestimmt", machte Elisabeth Schroedter deutlich.
Auch anhand der am 3.3.09 vom Landesfrauenrat veröffentlichten Studie "Fatale Fakten" wurde deutlich, dass Frauen in Thüringen die niedrigsten Löhne in Deutschland erhalten und zunehmend in prekäre Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt werden. Im Jahre 2007 ist der Anteil von Frauen bei Neueinstellungen auf nur noch 28 Prozent gesunken und nur noch 25 Prozent aller Vollzeitarbeitsplätze sind in Thüringen mit Frauen besetzt.
"Diese Fakten zeigen einmal mehr, dass nur eine breite Palette an politischen Maßnahmen und Anreizen, verbunden mit einem ernsthaften Umdenken in den Köpfen, echte Gleichstellung bewirken kann. Einen großen Anteil daran hat auch die Frage, wie die Gesellschaft welche Arbeit wertschätzt. Dies zeigt sich exemplarisch bei den Erzieherinnen, die beschämend schlecht verdienen oder auch beim Grundschullehramt, welches soviel geringer bewertet wird als das Gymnasiallehreramt, obwohl gerade die ersten Schuljahre ganz zentral für die Entwicklung unserer Kinder sind. Auch Pflegeberufe sind chronisch unterbewertet. Eine eigenständige Existenzsicherung in diesem Berufsfeld ist für viele kaum möglich oder erfordert Sparen an allen Ecken und Enden. Dabei weiß jede/r, dass diese Pflegearbeit physisch und psychisch ausgesprochen anspruchsvoll ist und in einer alternden Gesellschaft gerade hier noch unglaublich viel Arbeit und Pflege geleistet werden muss. Deshalb fordern wir eine verstärkte Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt in allen Branchen und auf allen Ebenen. Hierfür bedarf es einer Verbreiterung des Berufswahlspektrums bei Mädchen und jungen Frauen. Maßnahmen, wie den Ausbau von Girls' Days und Schülerbesuchen bei Firmen sowie Mentoringprogramme, wollen wir noch gezielter fördern. Auch das Potenzial der älteren Arbeitnehmerinnen wollen wir nutzen, und wo nötig, speziell fördern", so Astrid Rothe-Beinlich abschließend.




