Null Toleranz für Genitalverstümmelung

06.02.2009: Null Toleranz für Genitalverstümmelung

Weltweit leben etwa 150 Millionen Frauen und Mädchen, die an ihren Genitalien verstümmelt worden sind. Die Verstümmelungen verursachen schlimmste körperliche und seelische Schäden. Täglich erleiden circa 6.000 Mädchen diese grausame Qual. In Deutschland sind etwa 30.000 Frauen und Mädchen von dem grausamen Ritual betroffen.

Genitalverstümmelung stellt einen unvorstellbaren Eingriff in die persönliche Integrität und Freiheit sowie die sexuelle Selbstbestimmung der betroffenen Mädchen und Frauen dar.

Lange Jahre als kulturelle oder religiöse Tradition entschuldigt, gründet weibliche Genitalverstümmelung in ihrem Ursprung auf dem männlichem Kontrollanspruch gegenüber weiblicher Sexualität. Zu Recht ist weibliche Genitalverstümmelung inzwischen weltweit als Menschenrechtsverletzung anerkannt. Dennoch wird sie noch immer in vielen Ländern praktiziert.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass diese Form der Gewalt gegen Mädchen und Frauen endlich beendet wird. Weibliche Genitalverstümmelung muss als eigener Straftatbestand der schweren Körperverletzung ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden und darf nicht länger als einfache Körperverletzung mit einer Ohrfeige gleichgesetzt werden. Auch müssen Polizei und Strafverfolgungsbehörden deutlich stärker sensibilisiert und geschult werden. Denn gesetzliche Regelungen allein beenden die Praxis der Genitalverstümmelung nicht.

MigrantInnen aus Herkunftsländern, in denen die Praxis der Genitalverstümmelung betrieben wird, müssen über die hiesige strafrechtliche Situation informiert werden. Außerdem bedarf es einer sensiblen Aufklärung sowohl in Deutschland als auch in den Herkunftsländern, um die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Es muss deutlich werden, dass Eltern und Verwandte ihren Töchtern mit einer Genitalverstümmelung eine schwere Körperverletzung und lebenslange Qualen zufügen. Wir müssen Frauen, denen ein solches Leid widerfährt, unterstützen und uns im Kampf gegen Genitalverstümmelung solidarisieren. Der Vorwurf der kulturellen Bevormundung greift hier nicht: Die Würde der Frau muss universell gültig sein.

Nicht zuletzt fordern wir, dass Länder, in denen Genitalverstümmelung in einem nicht unerheblichen Ausmaß stattfindet, weder durch deutsche Behörden noch durch die Europäische Union als sogenannte sichere Herkunftsländer eingestuft werden.

Hier ist die Bundesregierung gefordert, über ihre Sonntagsreden hinauszugehen: Taten statt Warten sind das Gebot der Stunde. (06.02.2009)

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