Kinderarmut hat gravierende Folgen und zieht Bildungsarmut nach sich

24.10.2007: Astrid Rothe-Beinlich: Allen Kindern die Türen zur Welt öffnen

Zur heute veröffentlichten "WorldVision Kinderstudie" zur sozialen Lage von Kindern in der Bundesrepublik erklärt Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen:

"Mit dieser Studie, bei der erstmals 1600 Kinder im Alter zwischen 8 und 11 Jahren befragt wurden, wird einmal mehr überdeutlich, welche gravierenden Auswirkungen Armut von Kindern bereits im frühen Alter von 8 bis 11 Jahren hat. Die soziale Herkunft von Kindern entscheidet über deren spätere Bildungs- und Berufschancen und die Kinder haben dies verinnerlicht. Unterstützt wird dieser Umstand noch durch das selektive Schulsystem, welches bereits in der 4.Klasse die Kinder aufteilt und somit in deren Chancen massiv eingreift.

Umso wichtiger ist es, endlich wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut einzuleiten. So brauchen Kinder von Eltern im ALG II-Bezug endlich einen eigenständigen bedarfsdeckenden Regelsatz und eine Teilhabegarantie an Kunst, Kultur, Sport und Mobilität. Wiederholt sprechen wir uns zudem dafür aus, die Lehrmittelfreiheit in Thüringen wieder einzuführen und für alle Kinder in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen kostenlos ein warmes und ausgewogenes Mittagessen zur Verfügung zu stellen. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen ist die Studie ein weiterer Anlass, um sich für eine Schule für alle Kinder bis zur 10.Klasse auszusprechen, die auf individuelle Förderung und Stärkung unterschiedlichster Talente setzt, statt auf Aussonderung.

Sichtbar wird in der Studie zudem, dass Erwerbstätigkeit von Müttern wie Vätern keine grundsätzlichen Defiziterfahrungen bei Kindern mit sich bringt. Vielmehr kommt es auf die Zuverlässigkeit der Eltern-Kind-Beziehung an und auf die Qualität außerfamiliärer Betreuung, Bildung und Erziehung. Als besonders benachteiligt erweisen sich abermals die Ein-Elternteil-Familien. Für alle wollen wir einen Rechtsanspruch auf Frühkindliche Bildung ab dem 1.Lebensjahr sicherstellen.

Der Kinderstudie zufolge fühlen sich Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern schon im Alter von 8 bis 11 Jahren für den Rest ihres Lebens benachteiligt. Insgesamt sind 13 Prozent der acht- bis elfjährigen Kinder der Auffassung, dass ihre Eltern zu wenig Zeit für sie haben.

Deshalb braucht es zudem existenzsichernde Arbeitszeitmodelle, die sowohl Zeit mit den Kindern zulässt, als auch Erwerbsarbeit."

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Stefanie Dolling
Referentin Landesvorstand
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