Astrid Rothe-Beinlich moderiert Buchvorstellung „Frau Macht Veränderung“
22.10.2010: Unter dem Motto „Frau Macht Veränderung“ diskutierte Barbara Lochbihler (MdEP) am Donnerstag, den 21. Oktober 2010 in der Böllstiftung in Berlin mit der türkischen Menschenrechtsaktivistin Pinar Selek. Die Veranstaltung, an der etwa 80 Menschen teilnahmen, wurde von Astrid Rothe-Beinlich, der frauenpolitischen Sprecherin von BÜNDNIS 90/Die Grünen moderiert.
„Frau Macht Veränderung“ ist auch der Titel des Buches, welches sich mit den Erfolgen und Veränderungen seit der Pekinger Weltfrauenkonferenz im Jahre 1995 beschäftigt. In dem Sammelband, den Barbara Lochbihler gemeinsam mit der Deutschen Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit herausgegeben hat, kommen 13 weitere Frauen zu Wort. Diese betrachten in ihren Beiträgen die Errungenschaften in verschiedenen Politikfeldern oder aber auch anhand ausgewählter Länderbeispiele.
Bei der Diskussionsveranstaltung berichtete die Herausgeberin über die Entstehungsgeschichte des Buches und ihre eigene Rolle bei der Weltfrauenkonferenz. Barbara Lochbihler organisierte 1995, damals noch in ihrer Rolle als Generalsekretärin der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, eine Fahrt mit einem Zug, dem so genannten „peace train“ bis nach Peking. An der Reise nahmen über 200 Frauen teil, die schon auf der Reise über die wichtigsten frauenpolitischen Themen diskutierten, um sich so auf die Frauenkonferenz vorbereiteten.
Viele der damaligen Forderungen seien mittlerweile auf der internationalen Ebene fest verankert: „Hierzu gehören die Resolution 1325 und ihre Folgeresolutionen, die im Nachgang an die Konferenz auf UN-Ebene verabschiedet wurden“, sagte Barbara Lochbihler. Allerdings fehle es in vielen Ländern noch immer an einer konsequenten Umsetzung in Form von nationalen Aktionsplänen, welche die Einbeziehung von Frauen bei der Prävention aber auch der Beilegung von Krisen und Konflikten fordern und hierbei auch die Nutzung sexueller Gewalt als Kriegsmittel in den Blick nehmen. Hier sei nicht nur die Forderung nationaler Aktionspläne zur Umsetzung der Resolution auf Landesebene wichtig, sondern auch die Einbeziehung der Geschlechterperspektive in den Krisen- und Konfliktregionen, betonte Lochbihler, die sich heute im europäischen Parlament für die Umsetzung von Menschenrechten einsetzt.
Pinar Selek, die ebenfalls einen Beitrag für den Sammelband verfasst hatte, berichtete über die Rolle der Frauenbewegung und der Friedensbewegung in der Türkei. Selek, die nach ihrem Einsatz für die Rechte von Frauen, Transsexuellen und Prostituierten in der Türkei der terroristischen Aktivitäten beschuldigt wurde und trotz Freispruch mehr als 2 Jahre in Haft saß und gefoltert wurde, lebt derzeit im Exil in Deutschland. Sie hob in ihrem Beitrag die Bedeutung einer feministischen Friedenspolitik hervor, welche friedliche und zivile Mittel in den Vordergrund stellen müsse und vertrat die These: „Der Feminismus bietet eine Grundlage, um die Logik des Krieges in der Türkei zu überwinden.“ Deswegen sei es wichtig, die Frauenbewegungen in Krisen- und Konfliktregionen zu stärken, sagte Selek. Hierzu gehöre auch der Austausch zwischen den Bewegungen in verschiedenen Ländern.
Astrid Rothe-Beinlich dankte nach einer spannenden Diskussion inklusive vieler Fragen und Berichte auch aus dem Publikum insbesondere den beiden Inputgeberinnen des Abends und schloss mit einem Mut machenden Zitat von Pinar Selekt, mit dem sie weiterhin für aktive Friedenspolitik – auch und gerade von Frauen warb: "Ich erlaube es nicht, dass man mich handlungsunfähig macht. Das wäre so, als wenn man mich bitten würde, mit dem Leben aufzuhören", (Pinar Selek in der taz, vom 5.8.2009)
Das Buch zum Download: www.barbara-lochbihler.de/cms/upload/PDF/Einladung_FRAU_MACHT_VERNDERUNG.pdf














