Grüne meinen: Kein Grund zum Feiern

11.03.2010: Astrid Rothe-Beinlich zieht kritische Bilanz des Bologna-Prozesses

Während in Budapest die Sektkorken knallen, um das zehnjährige Jubiläum des Bologna-Prozesses zu feiern, zieht die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, eine kritische Bilanz der Umsetzung dieser Hochschulreform.

"Wir fordern eine grundlegende Reform der Reform! Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat die Situation der Studierenden auch in Thüringen deutlich verschärft. Die neuen Studiengänge lassen häufig kaum Zeit für ein Auslandssemester, einen Nebenjob oder gar für soziales oder politisches Engagement. Und das, obwohl über die Hälfte aller Studierenden auf zusätzliche Einkünfte angewiesen sind, wie eine aktuelle Erhebung ergab und eigentlich ganzheitliche Bildung und gelebtes Engagement das Studium um vielfältige Erfahrungen bereichern sollen. Hier passen Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammen!"

"Der zeitgleich stattfindende Alternativgipfel von Studierenden auf dem Wiener Campus macht deutlich, dass das ursprüngliche Ziel, durch Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraumes für mehr Dynamik und Mobilität zu sorgen, klar verfehlt wurde. Den Forderungen der Studierenden nach einer Abkehr von zu stark verschulten Studienplänen, weniger Zugangsbeschränkungen im Hochschulwesen und mehr selbstbestimmtes und kritischem Lernen, schließen wir uns in aller Deutlichkeit an", so Astrid Rothe-Beinlich, die erst kürzlich im Thüringer Landtag für ihre Fraktion einen Antrag auf mehr Mitbestimmung und Teilhabe der Studierenden eingebracht hatte.

Weiterhin fordert die grüne Fraktion eine ehrliche und kritische Bilanzierung über die Umsetzung des Bologna-Prozesses an Thüringer Hochschulen. "Noch immer ist die Mehrheit der Studierenden mit dem Bologna-Prozess unzufrieden", gibt Rothe-Beinlich weiterhin zu bedenken und betont: "Zudem ist der Bedarf nach einer ernsthaften Diskussion über notwendige Reformen von Seiten der Studierenden hoch. Hier hoffen wir, dass nach dem dreistündigen ersten Hochschulgipfel, der einen Auftakt darstellen sollte, nun auch tatsächlich eine Fortsetzung desselben folgt."

Dass man nicht über die Köpfe der Studierenden hinweg entscheiden kann, haben nicht zuletzt die Proteste des bundesweiten Bildungsstreikes klargemacht. "Studierende wie Lehrende müssen gleichberechtigt in den Aushandlungsprozess über die Bologna-Reform einbezogen werden!", fordert Rothe Beinlich abschließend.

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