Fahrplanwechsel bei der Bahn verprellt insbesondere PendlerInnen

12.12.2008: Astrid Rothe-Beinlich: Kundenfreundlichkeit bleibt auf der Strecke

Mit dem Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn werden am Sonntag gravierende Änderungen auf die Bahnkunden zukommen. Dazu erklärt Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen:

"Zwar wirbt die Deutsche Bahn mit Kundenfreundlichkeit und mit ständig neuen Spezialangeboten, wie jüngst mit einem Reisetipp in die Bundeshauptstadt: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin". Mit dem neuen Fahrplan, der am kommenden Sonntag in Kraft treten wird, kommen jedoch auf BerufspendlerInnen starke Einschnitte im Fernverkehr zu.

Betrachtet man zum Beispiel die Strecke Erfurt-Berlin muss konstatiert werden: Es gibt keine einzige durchgehende ICE-Verbindung mehr. Bisher konnte man um 6.35 Uhr mit einem durchgehenden ICE in 2 1/2 Stunden von Erfurt nach Berlin fahren. Nach dem Fahrplanwechsel wird diese Verbindung durch eine Verbindung mit Umsteigen von IC auf ICE in Leipzig ersetzt. Das Tragische daran ist, dass diese Verbindung bisher von vielen BerufspendlerInnen in Anspruch genommen wurde, die bis Berlin fahren oder sogar noch weiter. Nun kann man nur hoffen, dass der vorgesehene Anschluss - 5 Minuten Umsteigezeit sind geplant - tatsächlich wartet. Die Rückfahrt am Abend ist auch nur noch beschränkt nutzbar. Da hilft es auch nicht, dass wieder vermehr auf IC-Verbindungen gesetzt wird, die sogar durchfahren. Diese verfügen jedoch oftmals nicht mal über einen Stromanschluss, für Menschen, die darauf angewiesen sind, die Fahrtzeit zum arbeiten zu nutzen, ein weiterer Nachteil.

Im Zeitraum zwischen 19.00 und 21.00 Uhr wird es im neuen Fahrplan keinen durchgehenden Zug mehr zwischen Berlin und Erfurt geben. Dafür fährt nun ein Spät-IC, der weit nach Mitternacht erst in Erfurt landet. Auf der ehemals hoch gepriesenen Mitte-Deutschland-Verbindung sind es gerade noch drei Zugpaare täglich, die von Ost nach West durchfahren.

Mit diesen Fahrplanänderungen wird der Fernverkehr Schritt für Schritt weniger attraktiv gemacht - nicht nur angesichts des Klimawandels geradezu eine aberwitzige Entwicklung. Hinzu kommt: Die Preise jedoch steigen. Anstatt die BahnkundInnen am Erfolg des Konzerns zu beteiligen und den Service zu verbessern, wird immer wieder an der Preisschraube gedreht. Weiterhin werden Fahrkartenschalter geschlossen und der Bedienzuschlag somit "durch die Hintertür" eingeführt.

Auch im Nahverkehr kommt es immer weiter zu Einschränkungen. Dass es hier kaum noch AnsprechpartnerInnen gibt, da die Servicestationen sukzessive geschlossen wurden, ist traurige Realität und hält insbesondere ältere Menschen oder Familien mit Kindern, die auf Hilfe angewiesen sind, vom Bahnreisen ab. Natürlich begrüßen wir die nach wie vor theoretisch mögliche kostenlose Fahrradmitnahme in den Regionalzügen. Jedoch sind die Kapazitäten für Abstellflächen begrenzt und wenn zu Berufsverkehrszeiten nur 1 Triebwagen eingesetzt wird, müssen BahnfahrerInnen mit Fahrrad draußen bleiben. Wenn sie Glück haben, schaffen sie es, in den nächsten Zug reinzukommen.

Diese Zustände führen dazu, dass BahnkundInnen nach und nach vergrault werden. Wenn die Bahn nicht endlich umsteuert, bleibt sie selbst auf der Strecke."