Offener Brief an Sonneberger Bürgemeisterin Sybille Abel

Sehr geehrte Bürgermeisterin Frau Sybille Abel,

aus dem Freien Wort habe ich entnommen, dass bei einer Konzertveranstaltung gegen Rechtsextremismus "Rock für Toleranz" in Sonneberg die Eintrittsgelder gepfändet wurden.

Rein rechtlich ist dieser Vorgang vermutlich nicht zu beanstanden. Bitte beachten Sie jedoch die Wirkung einer solchen Maßnahme inklusive der Berichterstattung in der Öffentlichkeit da ganz besonders auch auf die betroffenen engagierten Jugendlichen, die mit diesem Konzert für Toleranz in Sonneberg und Umgebung geworben haben. Einzig die Rechtsextremen können von einer solchen Aktion profitieren und werden dies für ihre Selbstdarstellung und die Diskeditierung dieser Jugendlichen ausschlachten. Dies muss bedenklich stimmen und zum Handeln ermuntern.

Im Vorfeld dieses Konzertes gegen Gewalt und Intoleranz wurde mehrfach in der lokalen Presse darüber berichtet und auf dieses hingewiesen. Somit drängt nun der Eindruck auf, dass durch eine Gerichtsvollzieherin unterstützt durch Polizei und Justiz bewusst diese Veranstaltung ausgewählt wurde um die Pfändung zu vollstrecken. Auch in Ihrem eigenen Interesse bitten wir Sie nachdrücklich, diesem Eindruck entschieden zu begegnen.

Die eingenommenen Gelder stehen unseres Erachtens ganz klar den OrganisatorInnen dieser Veranstaltung, sprich den Jugendlichen zu. Diesen nun zu empfehlen, sich ihr Geld auf dem Klageweg zurückzuholen, nachdem es einem anderen Schuldner zugeordnet wurde, ist nicht nur hilfreich sondern kommt einem Affront gegen das Engagement dieser jungen Menschen gleich.

Ich bitte Sie hiermit, sich schnellstmöglich für eine unbürokratische Lösung zu verwenden, um die Jugendlichen nicht länger in Ungewissheit und auf den dadurch entstandenen Schulden sitzen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Astrid Rothe-Beinlich


Zum Hintergrund:

In der Nacht zu Sonntag hatten Polizisten ein "Rockfestival für Toleranz" gestürmt und im Auftrag einer Gerichtsvollzieherin die Eintrittsgelder in Höhe von 1540 Euro beschlagnahmt. Begründet wurde dies mit offenen Schulden des Disko-Betreibers. Dieser aber hatte sein Haus an diesem Abend gratis den ehrenamtlich tätigen jungen Leuten zur Verfügung gestellt, die mit den Konzert ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen wollten.

Die Sonneberger Polizeidirektion hat mittlerweile Fehler eingeräumt. Die nächtliche Hauruck-Aktion soll nun eingehend überprüft werden. Gegen die beteiligten Polizisten werde von der vorgesetzten Behörde eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingeleitet, sagte Konzertveranstalter Filip Heinlein am Mittwoch. Polizeidirektor Jürgen Höhn habe sich "quasi entschuldigt", erklärte Heinlein.

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