Grüne Thüringen fordern: Schluss mit dem Rück-Zug aus dem Thüringer Fernverkehr!

21.05.2008: Astrid Rothe-Beinlich: Bahn handelt auch unternehmenspolitisch kurzsichtig

Die aktuell geführten Diskussionen auf internationalen Konferenzen und in der politischen Öffentlichkeit zum Artenschutz wie auch zum Energie- und Rohstoffeinsatz und deren Kosten zeigen erneut die Bedeutung und Notwendigkeit von öffentlicher Mobilität. Vor diesem Hintergrund weisen die Thüringer Bündnisgrünen erneut auf die zum 15. Juni wirksam werdenden Kürzungen im Schienenpersonenfernverkehr hin, die sich nachhaltig auf Thüringen auswirken werden.

"Ausgerechnet ab dem bundesweiten Aktionstag `Mobil ohne Auto` zwingt die Deutsche Bahn zahlreiche Menschen zum Umstieg auf den PKW und bewegt sich damit fortgesetzt in die völlig falsche Richtung", stellt Landessprecherin Astrid Rothe-Beinlich fest.

"Durch den ab diesem Tag in Kraft tretenden Sommerfahrplan werden sich die Thüringer Fernverkehrsangebote in allen durch IC- und ICE-Linien bedienten Relationen am Wochenende deutlich verschlechtern. Sowohl in Richtung Frankfurt/M, Düsseldorf und Nürnberg als auch Berlin und Dresden fallen zwischen Samstagnach- und Sonntagvormittag eine ganze Reihe bisher bestehender Verbindungen weg", gibt die grüne Landessprecherin zu bedenken.

"TagesausflüglerInnen, KulturbummlerInnen, StädtetouristInnen und auch die Oma auf Enkelbesuch fallen buchstäblich ins Fahrplanloch. So sie an ihren Reiseplänen festhalten, landen sie zwangsläufig, wunderbar Abgas ausstoßend und schön kontaktisoliert, auf der Autobahn. Gesellschaft finden sie dann erst beim Hauen und Stechen um die fein säuberlich bodenversiegelnd-asphaltierten Parkflächen", bringt Astrid Rothe-Beinlich die traurige Realität zugespitzt auf den Punkt und fährt fort:

"Es ist schon bemerkenswert, dass die DB offensichtlich kein Interesse an den Kunden hat, welche im Freizeitbereich auf die Schiene setzen."

Die grüne Landessprecherin verweist aber auch auf die wiederholt deutlich werdenden Defizite des Bahnmanagements, das öffentliche Verkehrssystem als integriertes Ganzes zu denken und zu begreifen: "Jede Lücke im vertakteten Fahrplannetz macht dieses unattraktiver. Und irgendwann sind dann nicht nur die vermeintlich schlechter ausgelasteten Züge weg, sondern bleiben auch in den Anderen die Plätze leer. Somit ist die weitere Ausdünnung des Angebots nicht nur eine dem öffentlichen Auftrag der Bahn zuwider laufende Entscheidung, sondern auch unternehmenspolitisch kurzsichtig und falsch."

"Notwendig ist", so Rothe-Beinlich weiter, "ein bundesweit verfügbares, offensiv vermarktetes attraktives Angebot im Nah- und Fernverkehr. Das wäre nach bündnisgrüner Überzeugung auch ohne Weiteres möglich. Nur müsse die DB dazu den Selbstanspruch wiederentdecken, eine Bahn für die Menschen, für das Land und die Umwelt zu sein, anstatt sich mit samt den eigenen Potenzialen und ursprünglichen Visionen nun Börsenpiraten und deren kurzfristigen Renditeträumen als Ausschlachtobjekt auszuliefern."

Die Thüringer Bündnisgrünen bieten gern konkrete Unterstützung bei der Schärfung des Blickes auf die Möglichkeiten und Chancen.

Astrid Rothe-Beinlich: "Vielleicht hat ja das Bahnmanagement - so es selbst die Schiene nutzt - beim bevorstehenden Fußball-EM-Tourismus Gelegenheit, sich die Produkt- und Angebotsstrategie ihrer Schweizer KollegInnen einmal etwas näher anzuschauen. Am besten gleich in der ersten Meisterschaftswoche, da sind die Taktlücken diesseits der Grenze noch nicht so groß. Es soll schließlich niemand auf der Strecke bleiben!"

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