Grüne: Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein!
19.05.2008: Astrid Rothe-Beinlich: Förderung der Berufstätigkeit von Müttern ist das beste Mittel gegen Kinderarmut
Anlässlich der Vorstellung des aktuellen Armuts- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung erklärt Astrid Rothe-Beinlich, Frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen:
"Die Erkenntnisse, die wir aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gewinnen, sind erschreckend, aber leider nicht neu. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Einkommen der oberen Schichten der Gesellschaft wachsen weiter , während die der unteren und mittleren Einkommensschichten stetig sinken bzw. stagnieren. Tatsache ist, dass sich die Armutsrisikoquote in Deutschland auf hohem Niveau verfestigt hat.
Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, dass es weiter zunehmend Kinder und alleinerziehende Frauen sind, die zu den gesellschaftlichen Verlierern gehören. Mittlerweile beträgt die Kinderarmut in Ostendeutschland durchschnittlich 23,7 Prozent und in Westdeutschland 12,4 Prozent.
Kinder dürfen jedoch kein Armutsrisiko sein -- und: für Kinder ist Armut faktisch eine Katastrophe, da sie Teilhabe verunmöglicht und somit Lebenschancen minimiert. Um in Armut lebenden Kindern und ihren Familien tatsächlich und nachhaltig helfen zu können, braucht es einen stimmigen Mix aus materiellen Hilfen und die Bereitstellung einer flächendeckenden und für alle zugänglichen Infrastruktur. Oberstes Ziel muss sein, materielle, soziale, gesundheitliche und kulturelle Armut zu durchbrechen. Prekäre Lebenslagen dürfen nicht dazu führen, dass Kindern die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft verwehrt bleibt! Kinder brauchen gute Rahmenbedingungen und vor allem den Zugang zu Bildung von Anfang an! Kein Kind darf zurückgelassen werden, dafür streiten wir. Kinder im Regelleistungsbezug müssen endlich Anspruch auf einen eigenen Regelsatz haben, der auch den soziokulturellen Bedürfnissen Rechnung trägt. Zudem muss endlich das Leben mit Kindern gefördert werden -- nicht beispielsweise der Trauschein. Deshalb werben wir für die Abschaffung des Ehegattensplittings und wollen dies durch ein Individualsplitting ersetzen und mit der Kinderbetreuungskarte das Geld direkt den Kindern und deren frühkindlicher Bildung zugute kommen lassen", stellt Astrid Rothe-Beinlich klar.
"Zu denken geben muss allerdings auch, dass gerade Frauen besonders betroffen sind. Hier macht sich zum einen die nach wie vor ungerechte Ungleichbezahlung von Frauen und Männern bemerkbar -- zur Erinnerung: Frauen haben im Durchschnitt noch immer rund 22% weniger Einkommen als Männer bei gleichwertiger Arbeit. Zudem sind überwiegend Frauen in prekären Beschäftigungsfeldern tätig und erwerben somit auch weniger Rentenanwartschaften. Haben diese auch noch Kinder, sind sie doppelt betroffen. Internationale Studien haben belegt, dass die Förderung der Berufstätigkeit von Müttern das beste Mittel gegen Kinderarmut ist. Diese muss natürlich auch angemessen entlohnt werden. Auch deshalb machen wir uns beispielsweise für Mindestlöhne stark", schließt Astrid Rothe-Beinlich.




